Bobrek
Zwangsarbeit für Siemens in Auschwitz und Berlin

Beitrag von Wolfgang Walter


Im Zentrum des Beitrags von Wolfgang Walter steht der Besuch von vier ehemals von der Siemens AG Zwangsbeschäftigten im November 2005 in der Berliner Hauptverwaltung. Paul Schaffer, Henry Schwarzbaum, Marcel Tuchman und Gilbert Michlin waren jüdische KZ-Häftlinge in Auschwitz. Ab 1943 mussten sie im KZ-Außenlager Bobrek für Siemens arbeiten, 1945 kamen sie nach Haselhorst, in ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, und arbeiteten in der Siemensstadt.

Wolfgang Walter ist Betriebsratsvorsitzender im Messgerätewerk und war einer der Verantwortlichen für die Einladung der vier ehemaligen Zwangsarbeiter zu Siemens in Berlin. Er hat sich auch für ein gemeinsames Projekt von Auszubildenden der Siemens Werkberufschule Berlin und Schülern eines Gymnasiums in der Nähe des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück eingesetzt. Mit den Schülern und Auszubildenden wurde eine Multimediapräsentation zum Thema „Zwangsarbeit für Siemens in Ravensbrück“ erarbeitet, die heute für die Jugendarbeit in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück benutzt wird. Ende 1944 arbeiteten in Ravensbrück 3000 inhaftierte Frauen in von Siemens errichteten Produktionshallen. Seit 1995 wird die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück von Siemens gefördert.

Wolfgang Walter hat uns auf mehrere Aspekte hingewiesen, die er bei der Darstellung von Bobrek für wichtig hält.

Objekt 73

Paul Schaffer, Henry Schwarzbaum, Marcel Tuchman und Gilbert Michlin waren wegen ihres jüdischen Glaubens in Auschwitz inhaftiert. Heute leben zwei von ihnen in Paris, einer in New York und einer in Berlin.
Das Tor mit den Worten „Arbeit macht frei“ steht für das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Auch in anderen Konzentrationslagern wurde dieser Spruch am Eingang verwendet.
 
 
 
 
Paul Schaffer, Marcel Tuchman, Gilbert Michlin und Henry Schwarzbaum vor der Werner-von-Siemens-Büste beim Besuch der Siemens AG in Berlin im November 2005. In der Mitte Ilona Thede, Pressesprecherin von Siemens in Berlin.
 
Der Adler gehört zu einer Gedenkanlage vor dem Verwaltungsgebäude, die seit 1922 als Ehrenmal für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges geplant und 1934 mit der Widmung „Den unvergessenen Kameraden, die im Weltkrieg den Heldentod starben“ eingeweiht worden ist. 1970 hat die Siemens AG eine Ergänzung für die im Zweiten Weltkrieg getöteten Werksangehörigen hinzugefügt.
Im Innenhof des Verwaltungsgebäudes befindet sich seit 1997 eine Mosaiktafel mit der Inschrift „Wir gedenken der vielen Mitmenschen, die in den Jahren des Zweiten Weltkriegs gegen ihren Willen in unserem Unternehmen arbeiten mussten.“
Seit 2001 wird die Siemens-Aktie an der New Yorker Börse gehandelt. Damit hat sich die Siemens AG in eine Öffentlichkeit begeben, in der eine offen geführte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Unternehmens erwartet wird. In diesem Zusammenhang wird gern der Ausdruck Corporate Citizenship verwendet, der das verantwortungsvolle bürgerschaftliche Engagement in und von Unternehmen bezeichnet.
Fabrikhalle des KZ-Außenlagers Bobrek, eine ehemalige Phosphatfabrik, in der die Siemens AG ausgewählte Häftlinge, „Kommando Siemens“ genannt, arbeiten ließ.
Die Halle befand sich 8 Kilometer entfernt vom Vernichtungslager Birkenau.
 
 
 
 
Bücher, die Wolfgang Walter uns gegeben hat:
Zwangsarbeit für Siemens in Auschwitz und Berlin - Dokumentation einer Begegnung mit ehemaligen KZ-Häftlingen
Zwangsarbeit - Begegnungen mit „Ostarbeitern“
Loretta Walz: „Und dann kommst du dahin an einem schönen Sommertag“ - Die Frauen von Ravensbrück
Wilfried Feldenkirchen: „Siemens - 1918-1945“