Ein Besuch im Johanna-von-Siemens-Heim

Auftrag von Heike Grant-Hunter und Sascha Harting


Die sozialen Einrichtungen in der Siemensstadt früher und heute sind das Thema von Sascha Harting. Die Kinder von Heike Grant-Hunter sind im Johanna-von-Siemens-Heim in den Kindergarten gegangen.

Herr Ballhorn leitet den Kindergarten und hat uns für diesen Beitrag Material zur Verfügung gestellt.

Objekt 34


Heike Grant-Hunter arbeitet im Schaltwerk. Sie ist Betriebsrätin. Früher, als ihre drei Kinder klein waren, hat sie in der Siemensstadt gewohnt und ihre Kinder vor der Arbeit im Johanna-von-Siemens-Heim zur Betreuung abgegeben. Sie beschreibt das beruhigende Gefühl, das diese Regelung ihr gegeben habe. Gemeinsam besuchen wir Herrn Ballhorn, der die Kindertagesstätte leitet.

Das Johanna-von-Siemens-Heim wurde 1912 gegründet. Lange Zeit war es ein Heim, in dem die Eltern ihre Kinder am Montagmorgen um 6 Uhr abgegeben und am Sonnabendnachmittag wieder abgeholt haben. Bis zum Jahr 1982 wurde das Johanna-von-Siemens-Heim von der Siemens AG betrieben. Die Erzieherinnen wurden nach Metalltarif bezahlt. Seitdem ist das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) Träger der Kindertagesstätte. Bis zum Jahr 2000 wurde sie von der Firma Siemens für jedes Kind von Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen, das hier betreut wurde, mit 780 DM monatlich bezuschusst. Das seien herrliche Zeiten gewesen, sagt Herr Ballhorn. Einen kleinen Bus für Ausflüge habe man sich leisten können.
Die Kindertagesstätte hat einen fürstlichen Park, eine eigene Küche und ist von 6-17 Uhr geöffnet. Früher sei um 5.30 Uhr geöffnet worden, um es den Mitarbeitern der Frühschicht zu ermöglichen, ihre Kinder zu bringen. Es gäbe jedoch eine Verordnung, die ihnen Öffnungszeiten von höchstens 11 Stunden vorschreibe. Jetzt werde die Sache mit den Frühschicht-Kindern inoffiziell geregelt: „Da bricht uns kein Zacken aus der Krone, wenn schon ein Kind danebensteht, während wir die Räume aufschließen.“
15-20 % der Kinder im Johanna-von-Siemens-Heim sind heute Kinder von Siemens-Mitarbeitern. Der CJD hat einen Vertrag mit Siemens Real Estate. Die bezahlte Miete liege im oberen möglichen Preisspektrum. In vier Jahren läuft der Vertrag aus.
Einmal im Jahr veranstaltet der Betriebsrat der Schaltwerke ein Fußballturnier. Unter anderem wird ein Spiel der Betriebsräte gegen die Führungskräfte geboten. Im vergangenen Jahr wurde der Erlös der Kita gespendet.



Heft, gebastelt zum 10jährigen Dienst-jubiläum von Schwester Tilly 1938, mit Scherenschnitten und den Kapiteln:
 
Wie sie aus Schwarzwald nach Berlin kam
Wie die S-Bahn nach Siemensstadt kommt
Neubau
„Saure Wochen, frohe Feste, bald
gibt´s Kuchen, bald gibt´s Reste!“
Schiffsfahrt nach Afrika
Tilly heiratet
Olympische Spiele
Einbruch
25 Jahre Kinderheim Jubiläum
     

Bild aus einem gebastelten Kalender (vielleicht aus den 50er Jahren)
 
Bild aus einem gebastelten Leporello (vielleicht aus den 30er Jahren)
   
Aus den Jahresberichten von 1936 – 1977

Verzeichnis der Fälle von Windpocken, Masern, Mumps, Röteln und Scharlach (Ziegenpeter, wie in den Verzeichnissen früherer Jahre, kommt nicht mehr vor)
Ausländerstatistik
75/76 Türken 51, Jugoslawen 34, insgesamt 98; Anteil 49%
76/77 Türken 62, Jugoslawen 32, insgesamt 111; Anteil 61%
(1976/1977)

Die üblichen Höhepunkte bildeten das Kinderfest sowie die Feste Ostern und Weihnachten mit dem nun schon zur Tradition gewordenen Besuch der Damen Alliierter und ausländischer Missionen und Konsulate unter der Führung von Frau Brinkmann. (1975/1976)

Nach einer schönen Vorweihnachtszeit und Weihnachtsfeier im neuen Saal, der für Mütter und Kinder voll ausreichte und dessen Bauweise sich in jeder Hinsicht bewährte, begann das neue Jahr mit sehr viel Krankheit der Angestellten. Es fehlten wochenlang 8-10 Kräfte. Die gesundheitliche Labilität der Jugend nimmt von Jahr zu Jahr zu. (1966/1967)

Diesen Blockadewinter werden wir nicht vergessen mit seiner Kohlennot und den Stromsperren! Es half alles nichts, je nach dem die Stromstunden lagen, musste bei Nacht für die Kinder gekocht werden. (1948/1949)

Anderthalb Seiten Bericht über das Jahr, darunter Beschreibung des Essens, das zum Sommerausflug nach Siemenswerder gereicht wurde:
Der Eintopf (Weisskohl aus unserem Garten und 25 Pfund schwer errungene Kartoffeln um 15 Mark!) und eine süsse Speise aus Spenden, sowie der Nachmittagskaffee, bestehend aus Kaffee mit Milch und Zucker, einer Schrippe und einem Kakes (...) (1947/1948)

Im übrigen verlief das Zusammenleben der Schülerinnen mit der Hausgemeinschaft ebenso erfreulich wie in den Vorjahren. Durch gemeinsame Spaziergänge und Ausflüge – sogar 8 Tage in der Sächsischen Schweiz – ist versucht worden, Wanderlust und Kameradschaftsgeist zu fördern; durch Besuche von Ausstellungen und historischen Stätten das Interesse an der Geschichte und dem Schicksal Deutschlands wachzurufen und zu vertiefen. Zudem trug dieser Sommer 1936 noch besonders den Stempel der Olympischen Spiele, deren Verlauf die Schülerinnen mit grosser Begeisterung gefolgt sind.
Leider sind noch nicht alle Schülerinnen in der Jugendorganisation der N.S.D.A.P., dem B.d.M. eingegliedert, so dass diese Eingliederung ab Ostern 1937 automatisch in eine Gruppe erfolgt, damit durch die verschiedenen angesetzten Heimabende im B.d.M. einerseits die Hausgemeinschaft nicht leidet, andererseits die Schülerinnen aber auch die Notwendigkeit der national-sozialistischen Parteizugehörigkeit erkennen lernen und lernen aus all dem, was ihnen im Verlauf des Schuljahres in unserer Schule und Gemeinschaft geboten wird, das herauszuholen, was ihnen als Einzelmensch und als Mitglied unserer großen deutschen Volksgemeinschaft für ihr ferneres Leben dienlich ist. (Haushaltungsschule, 1936/1937)